Suche
Sie befinden sich hier:
TCM-Forum » TCM allgemein » Hilfe! Wie bekomme ich das Dekokt in mein Kind rein?
 
Thema: Hilfe! Wie bekomme ich das Dekokt in mein Kind rein? 
Monique25.02.2008 um 21.14 | antworten und zitieren 
Beitrag #1

an Monique
Mein Sohn ist knapp 2 Jahre alt und hat starke Neurodermitis. Der hiesige TCM-Theraupeut hat uns Tuina-Massage gezeigt und ein Dekokt verschrieben. Beides mag mein Sohn überhaupt gar nicht. Die Massage bekommen wir jedoch so einigermaßen hin, indem wir sie in ein Kitzel-Spiel einbauen.
Das Dekokt allerdings spuckt er in hohem Bogen aus (kein Wunder, schmeckt ja auch grauslig). Wir haben es mit reichlich Honig gesüßt und flößen es ihm mit einer Spritze ein. Aber er schafft es trotzdem, keinen einzigen Tropfen davon herunterzuschlucken, sondern alles wieder herauszubefördern. Die Situation ist nun, nach drei Wochen, schon richtig traumatisch - immer der Kampf mit der Medizin.
Hat jemand einen Tipp für mich? Denn wenn er das Dekokt nicht nimmt, ist ja die ganze Therapie umsonst.

Viele Grüße,
Monique
 
Michael Brehm26.02.2008 um 10.49 | antworten und zitieren 
Klinik am Steigerwald

Beitrag #2

an Michael Brehm
Hallo Monique,
der Geschmack ist eine sinnvolle und tiefgreifende Entscheidungsinstanz. Geschmack und Wirkung hängen in der chinesischen Medizn eng zusammen. Seien Sie bitte froh über die große Vitalität ihres Sohnes. Wenn ein Kleinkind in unserer Behandlung so deutlich den Dekokt ablehnt, halten wir das für eine berechtigte Kritik an unserer Therapie. Unsere Ärzte machen sich erneut Gedanken und verschreiben einen anderen Dekokt. Es gibt keine Dekokt-Therapie, die gegen den massiven Widerstand des Patienten heilsam wäre. In der Regel sind selbst die "schrecklichsten" Dekokte für den Patienten, der diesen Dekokt braucht, trinkbar.
Nehmen Sie bitte Ihren Sohn ernst und setzen den Dekokt erstmal ab. Besprechen Sie bitte das Thema eindringlich mit Ihrem TCM-Therapeuten.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Brehm
 
Monique28.02.2008 um 09.49 | antworten und zitieren 
Beitrag #3

an Monique
Hallo Herr Brehm,
vielen Dank für Ihre Antwort. Mir leuchtet das durchaus ein, was Sie über Dekokte schreiben und wir werden uns auf jeden Fall noch einmal mit dem TCM-Therapeuten auseinandersetzen.
Aber bei meinem Sohn ist es so, dass er grundsätzlich sehr eigensinnig ist bezüglich der Dinge, die er essen und trinken will. Da er noch teilgestillt wird, trinkt er (außer Muttermilch) sehr wenig - wenn es hochkommt, 100-150 ml am Tag, meist jedoch deutlich weniger. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, diese paar Schlucke Wasser/Tee/Saft, die er trinkt, durch etwas so intensives wie ein Dekokt zu ersetzen. Der Kleine schüttelt ja sowieso schon bei 80 Prozent der Dinge, die man ihm anbietet, den Kopf.
Kennen Sie das wirklich nicht aus Ihrem Klinik-Alltag? Was machen Sie, wenn Sie so einen eigenwilligen kleinen Patienten haben? Hat der Versuch einer TCM-Therapie überhaupt einen Sinn? Vielleicht wäre es klüger, noch ein Jahr zu warten...
Viele Grüße,
Monique
 
Michael Brehm28.02.2008 um 19.07 | antworten und zitieren 
Klinik am Steigerwald

Beitrag #4

an Michael Brehm
Hallo Monique,

vielleicht hat Ihr Sohn ja recht und 80% der Lebensmittel tun ihm nicht gut. Auch ist es kein guter Weg den Dekokt im Rahmen der täglichen Trinkmenge ein zu nehmen, nach dem Motto: wenn du etwas Flüssiges willst, mein Sohn, dann trinke Dekokt.
Dennoch macht der Versuch mit der chinesischen Arzneitherapie absolut einen Sinn. Wir haben gute Erfahrungen mit dieser Therapie bei Kindern gemacht, die Neurodermitis haben. Wichtig zu wissen ist: Keine zwei Arzneitherapeuten werden bei gleichen Patienten die selben Rezepturen verordnen. Das liegt in der Natur und den Möglichkeiten der chinesischen Medizin, über die sich die Therapeuten den Krankheiten und Patienten aus unterschiedlichen Richtungen nähern können.
Wir sehen auch immer wieder Überforderungen bei Patienten, die Dekokte aus „klassischen Rezepturen“ zu sich nehmen. Gerade Kinder reagieren sehr empfindlich. Aus den langjährigen Erfahrungen heraus haben unsere Ärzte neue Wege erforscht und entwickelt, die die chinesische Arzneitherapie besser an die europäischen Patienten anzupassen versuchen. Sie verordnen ihre Rezepturen in geringeren Dosierungen und wählen meist weniger Heilpflanzen in neuen Kombinationen aus. Das hat den Vorteil, daß die Rezepturen eine klare Wirkrichtung behalten und bei Unverträglichkeiten gut korregiert werden können.
Eines ist aber auch sicher: eine Arzneitherapie gegen den Willen ihres Sohnes, wird nichts verbessern. Lieber keine Arzneitherapie als eine falsche. Vielleicht hat Ihr Therapeut noch eine andere Idee.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Brehm
 
 
Antwort schreiben 
zurück zur Übersicht